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Walter Pöchhacker

Teil1

[B]Blöd gelaufen[/B]

Bereits in meinem Bericht von der Tagsatzung vom 15.Mai 2008 in Graz habe ich den Intellekt des Zeugen Ronald H. entsprechend „gewürdigt“. Ich sehe mich gezwungen, neuerlich darauf einzugehen.

Bekanntlich bestritt Ronald H. in Graz, jemals eine intime Beziehung zu Frau Sirny gehabt zu haben. Er sei erst ein paar mal in ihrer Wohnung gewesen, aber stets aus anderen Gründen. Letztens wäre dies vor ein paar Tagen der Fall gewesen. Er schob gleich eine Erklärung nach, kam aber leicht ins Schwimmen und fragte Frau Sirny: „Wegen ... wie haßt des schnö?“ Frau Sirny half ihm lächelnd aus und meinte: „Lichttherapie.“ Dazu muss man wissen, dass Frau Sirny angeblich seit einiger Zeit derartige „Behandlungen“ in ihrer Wohnung durchführt.

Wenige Tage vor der letzten Tagsatzung erfuhr ich von Dr. Wabl, dass – im Gegensatz zu Graz – Einvernahmeprotokolle von Sirny und H. ausgefolgt worden wären. Der Richter hatte von Wabl eine neuerliche Begründung verlangt, warum diese Protokolle bei der Tagsatzung verlesen werden sollten.

Da ich im Hinterkopf etwas über vor Jahren kolportierte Aussagen der Beiden hatte, kam bei mir fast eine freudige Erregung auf und ich drängte Wabl wiederholt darauf, unbedingt vor der Tagsatzung die Unterlagen zu bekommen. Wabl wollte sie schließlich ein paar Stunden vor der Verhandlung holen.

„Ich hab´ sie“ erklärte er stolz, als er etwas verspätet in dem vereinbarten Lokal eintraf. Meine Frau ackerte die Unterlagen in aller Eile durch und bald konnte man ein freudiges „Bingo“ vernehmen; und kurz darauf noch einmal.

Sowohl Sirny als auch H. hatten im März 2001 zugegeben, dass sie ein Verhältnis hatten. Das Unfassbare daran ist nicht nur das „ungeschickte“ Verhalten von H. in Graz, sondern auch die Tatsache, dass dies offensichtlich seine erste niederschriftliche Einvernahme (3 Jahre(!) nach dem Verschwinden von NK) war. Und dies auch nur deshalb, weil ich genau zu dieser Zeit wichtige Informationen lieferte, die letztlich zu einem riesigen Streit mit dem Sicherheitsbüro führten.

Gleich zu Beginn der Verhandlung stellte Wabl den Antrag, der Staatsanwaltschaft Graz eine Sachverhaltsdarstellung zukommen zu lassen. Frau Sirny, die immerhin der Falschaussage von H. in Graz nicht widersprochen hatte, wirkte auf einmal recht unlocker und auch ihr Anwalt machte einen leicht verwirrten Eindruck: Kein Wunder, er kannte nämlich die Unterlagen nicht und der Richter klärte ihn auf, dass Wabl sie erst Stunden zuvor kopiert hatte.

23.09.08, 15:31:24

Walter Pöchhacker

geändert von: Walter Pöchhacker - 24.09.08, 11:22:55

Teil 2

[B]Blanke Nerven[/B]

Noch wusste niemand, ob die geladenen Zeugen auch erschienen sind. Der Richter schickte seine Beisitzerin weg, um Herr Holzapfel zu holen. Dazu muss man Folgendes wissen: Das Verhandlungszimmer hat zwei Türen. Eine befindet sich hinter dem Richterpult, wo der Richter das Zimmer betritt bzw. verlässt, die andere Tür ist für das Fußvolk bestimmt und befindet sich im Saal ganz hinten.

Plötzlich war ein Tumult zu hören, laute Schreie, (wie sich später herausstellte lag dem Wirbel ein Schlag ins Gesicht eines Fotografen zugrunde) die „Richtertür“ wurde aufgerissen und herein stürzte – erraten – Herr Holzapfel. Getarnt mit riesiger Sonnenbrille und einer Aktentasche vor dem Gesicht (er kam ja ein Stück auf die Zuhörer zu) machte er in einem Höllentempo einen Schwenk zum Zeugenstand. Erst dort nahm er die Brille ab. Auf die Frage zu seinen Personalien erhob er sich und gab dem Richter eine Kopie seines Führerscheines. Das Übergeben der Kopie war mit keinerlei Problemen verbunden, der Weg zurück in den Zeugenstand war aber deswegen schwierig, weil er keine Brille mehr aufhatte. So ging er im wahrsten Sinn des Wortes „rückwärts“, also mit dem Rücken zu den Zuschauern.

Nun packte er eine kleine Mineralwasserflasche aus und stellte sie auf das Zeugenpult. Man hätte fast erwarten können, dass ein Jausenbrot folgen würde. Holzapfel stellt gleich lautstark den Antrag, die Anwesenden auf Tonaufzeichnungsgeräte zu durchsuchen(!) Eine immer heftiger werdende Diskussion mit dem Richter endete mit der Androhung einer Beugestrafe.

Auf Fragen gab er sich patzig und unglaublich präpotent. Entweder waren ihm die Fragen zu ungenau, was von Sirny´s Anwalt – der selbst keine einzige Frage stellte - prompt auf eine ungute Art bestätigt wurde, oder er hatte schwerste Gedächtnislücken. So meinte er auf die Frage nach den Ereignissen am 23. August 2006 mit Priklopil: „Das ist 2 Jahre her, ich kann mich nicht mehr erinnern.“ Dennoch hat er in einem wichtigen Punkt eine klare Falschaussage gemacht, auf die ich jetzt noch nicht eingehen möchte.

Nachdem er Zeugengebühren geltend gemacht hatte, wollte er wieder den Abschneider durch die „Richtertür“ nehmen, was der sichtlich verärgerte Richter aber verhinderte. So musste er vor allen Anwesenden seinen Canossagang antreten. Die weiteren Ereignisse sind bekannt!


[B]Edelmax[/B]

Der frühere Chef des Sicherheitsbüros Edelbacher gab unumwunden zu, mit seinen Leuten „nichts zusammengebracht“ zu haben. „Aber die Burgenländer auch nicht“ fügte er hinzu. Er ließ keinen Zweifel daran, dass wegen des Friedrich-Gutachtens die Ermittlungen in der Familie eingestellt wurden und er ließ deutlich durchblicken, in welche Richtung das gegangen wäre. Er betonte, dass ihm Koch (verständlicherweise) stets die Türe eingelaufen wäre, er von Sirny aber nie etwas gehört zu haben. Als Sirny´s Anwalt erklärte, dass seine Mandantin sehr wohl Kontakt zu 2 Kriminalbeamten gehabt hätte, meinte Edelmax: „Aber der war nicht friktionsfrei!


[B]Resümee[/B]

Der weise Spruch, dass nirgends soviel gelogen wird wie vor Gericht, wurde einmal mehr eindrucksvoll bestätigt.
24.09.08, 11:19:52

vero

Danke schön. Scheint sich um eine merkwürdige Verhandlung gehandelt zu haben.
Eine Gerichtsposse?

[B]Exkurs-Fragen: Selbstmord Proklopil[/B]
Wurde jemals eindeutig geklärt, WIE sich WP vor diesen Zug warf?
Wurde dieses Sich-Hinwerfen vom Lokführer eindeutig gesehen?
Lag WP bereits auf den Geleisen?
Wurde das Blut von WP auf Halluzinogene hin untersucht?
Wo gibt's es eindeutige Hinweise?

[B]Motivation zur Fragerei:[/B]
Es passt bezüglich des Selbstmords von WP alles so wunderbar stimmig zusammen:
Der Bösewicht ist tot, das Gerechtigkeitsempfinden der Volksseele ist diesbezüglich voll befriedigt.
Über diesen fundamentalen Todeswunsch des WP wurden wir meines Wissens genau von EINER Person informiert: Von Natascha Kampusch.
Eine überaus «nette» Untermauerung des Ablebens des WP - und dem endgültigen Erlöschen seiner Stimme zur Sache.
24.09.08, 13:06:21

Walter Pöchhacker

[quote="vero"]Eine Gerichtsposse?[/quote]
Im Gegenteil! Das kabarettreife Verhalten von Holzapfel, seine Unwahrheiten und seine Angst vor Aufzeichnungsgeräten müssen ja einen Grund haben. Mir wäre es als Zeuge egal, ob jemand in einer öffentlichen Verhandlung meine Aussage aufnimmt.

Im Vergleich zu seiner Presseerklärung vom 30.08.2006, die er vor versammelter Weltpresse - ohne Sonnenbrille - verlesen hatte, waren in Gleisdorf nur wenige Journalisten zugegen. Sein "Konterfei" kann noch dazu aus dem Internet abgerufen werden. Warum daher die plötzliche Scheu, im Gerichtssaal auch nur gesehen zu werden?

Die Antwort ist m.E leicht: Panik! Wie bereits erwähnt, hat er einen schweren Fehler gemacht, der sicherlich ein Nachspiel haben wird.

Genau wegen dieses Nachspiels kann ich auf die anderen Fragen - im Wissen wer hier mitliest - leider nicht eingehen.
24.09.08, 14:11:55

Sceptica

danke für den bericht.
ja, ist schon widersprüchlich, wie sich ernst h. benommen hat. er scheint nicht mehr so starke nerven zu haben wie kurz nach dem selbstmord seines freundes. damals dachte er vielleicht, es sei alles ausgestanden :cool:
24.09.08, 16:37:33

Altlast

Ernst H. spricht im morgigen NEWS:
http://www.news-magazin.at/articles/0839/510/220174/jetzt-priklopils-freund-ernst-h-beziehung-taeter-opfer

Derzeit geht es medial wieder rund.

Interessant ist auch, daß sowohl Frau Priklopil, als auch Ernst H. zuerst von [I]die aktuelle[/I] zu einem Interview - naja - gezwungen wurden und sich später von [I]NEWS[/I] dann freiwillig befragen lassen.
24.09.08, 18:54:57

Aerith_kun

Sorry for being late and, first of all, thank you very much, Herrn Pöchhacker, for their summaries.

I have remembered something:

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=371736

[quote]Warum hat Holzapfel nach Kampuschs Flucht mit einer Vollmacht der Mutter Gegenstände aus Priklopils Haus entfernt und was ist damit geschehen?[/quote]

In the program "El buscador de historias" (Tele5) which reported the case Kampusch and had the "encounter" with Herrn Koch, they recorded also a scene with Herrn H. entering the house of P. I remember that he was surrounded by polices and with his back to the camera. The "journalist" who was driving the documentary was surprised by this and then he was questioning himself which was the true participation of Herrn H. in all the story. It happened around september-october 2006 and they transmitted it on tv around the same time (I remember that Herrn Pöchhacker appeared in this documentary, too. He was interviewed by them and he said things like NK going to school sooner than normal this day on march in 1998 because she had an extra class). Tele5 is a yellowish tv channel, but this documentary was interesting and well-worked. If I could find a mode for traspasing it to the internet (the full documentary), I would do :(

I´m also confused by H´s attitude during the hearing. If there is something new in NEWS interview, I would be very grateful to know.

Like always, sorry for my english and thanks in advance.

Saludos ;)
25.09.08, 12:53:11

Altlast

Ernst H. im aktuellen News (39/2008, 25.09.2008):

[B]Prewein[/B]: [I][...][/I] immerhin behauptet eine Polizistin, Sie hätten - noch bevor Sie über die Tat Ihres Freundes informiert gewesen wären - gefragt: "Hat er sie umgebracht?"
[B]Ernst H.[/B]: Das stimmt nicht. Bevor ich mit jener Beamtin sprach, hatte mir bereits ein anderer Fahnder gesagt, dass Priklopil etwas mit dem Kidnapping von Natascha zu tun habe. Und da ich es damals - [I][...][/I] - für unmöglich gehalten hätte, dass jemand dazu imstande sein könnte, ein Mädchen achteinhalb Jahre lang in einem Keller gefangen zu halten, war meine erste Vermutung, dass Wolfgang das Kind 1998, kurz nach seinem Verschwinden, getötet hat.

[I][...][/I]

[B]Ernst H.[/B]: Von Jugend an hatte [I][WP][/I] für ein Mädchen geschwärmt, er erzählte immer, er sei mit ihm zusammen, doch das glaubte ich Wolfgang nie [I][...][/I] Es muss 1997 gewesen sein - da erklärte er mir, dass mit seiner Freundin alles vorbei sei.
[I][...][/I]
[B]Prewein[/B]: Ein Schock für ihn?
[B]Ernst H.[/B]: Ja, ein schwerer.
25.09.08, 18:08:32

Altlast

[quote]Ernst H. im aktuellen News (39/2008, 25.09.2008):[/quote]"Wolfgang war ein Tüftler wie ich, nur, ich verstand von vielem mehr als er, etwa, wie man Installationen macht, [...]"

Und dieser Wolfgang hat alleine ein Verlies samt Belüftung, Wasser-, Abwasser- und Elektroleitungen gebaut; die Tresortür nicht zu vergessen?
Bisher wurde er doch immer als genialer Handwerker hingestellt.

(Der ganze Artikel am üblichen Ort.)
30.09.08, 10:18:20

Walter Pöchhacker

[quote="Altlast"][quote]Ernst H. im aktuellen News (39/2008, 25.09.2008):[/quote]
Der Artikel ist in meinen Augen ein Entlastungsangriff wegen der schweren Felhler in Gleisdorf. Es wird sich aber herausstellen, dass das Interview ein Schuss ins eigenen Knie war!
30.09.08, 12:57:36
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